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Aufführungen

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 2000

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Theaterwoche Korbach 2000: Aufführungen

Theater-AG Edertalschule Frankenberg
Spielleitung: Paul Möllers
"ROMEO UND JULIA"

Die Spielfreude und Experimentierfreudigkeit der ungewöhnlich großen Gruppe von 45 Teilnehmern der Theater-AG Edertalschule/Frankenberg brachte schon etliche überzeugende Ergebnisse. Die Inszenierung von "Romeo und Julia" von Shakespeare im Lokschuppen sorgte für heftige Diskussionen; im Vordergrund stand nicht das Stück, sondern das Raumkonzept. Es wurde gleichzeitig auf drei Bühnen gespielt, verbunden durch Laufstege, in versetzter Szenenfolge und mit drei Ensembles.
Die Schauplätze hatten keine Tiefenwirkung, und die Szenen wirkten dadurch plakativ. Ab und zu wurde synchron gesprochen, um die Wirkung zu verstärken, aber dadurch entstanden Pausen, die dazu verführten, sich umzudrehen und zu schauen, was auf anderen Spielflächen geschieht. Es entstand keine Spannung, die sich auf den Zuschauer überträgt. Zu oft wurde der Fluss der Handlung unterbrochen: die Protagonisten blieben starr stehen, und der ihnen zugeordnete Text kam mitunter aus dem Lautsprecher. Es ist fraglich, ob man aus dem Liebesdrama par excellence Emotionen ausklammern darf.

Problematisch ist es, wenn die Verfremdung so weit geht, dass Werbespots wie in Fernsehsendungen eingefügt werden. Zwar gekonnt, aber sich dabei auf Shakespeares Technik zu berufen, tragische Szenen durch komödiantische zu durchbrechen, trifft nicht den Kern. Es gibt auch gute Einfälle, die zeigen, dass es im Schultheater nicht darum geht, literarische Texte unreflektiert zu übernehmen, sondern kreativ zu gestalten. Die Einspielung mit den Wünschen junger Mädchen aus verschiedenen Ländern, die Begrüßung in verschiedenen Sprachen, das Spiel mit den roten und blauen Tüchern, die jeweils die Zugehörigkeit zu den verfeindeten Familie markieren, zählen dazu.

Die Inszenierung wurde sorgfältig vorbereitet und einstudiert; die Konzentrationsfähigkeit der Spieler, die unbeirrt in ihrem Part blieben, beeindruckte.

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Impressionen aus der Aufführung

Kommentierungen aus der Festivalzeitschrift Spotligth Nr. 4
Am Anfang stand das Inszenierungs- und das damit verbundene Raumkonzept: "Vielfalt bekommen die Zuschauer geboten, indem auf drei Bühnen jeweils drei Szenen (in unterschiedlicher Reihenfolge) von drei Ensembles gespielt werden. Nach jedem Akt wechselt das Ensemble die Bühne, spielt also vor einem anderen Publikum. (...) Die Szenen werden simultan gespielt."
Umgesetzt wurde dieses Konzept in der morbiden Atmosphäre des alten Lokschuppens in Frankenberg, in dem eigens ein Zelt für diese Aufführungen aufgebaut wurde. Im Zentrum des Zeltes befand sich die Lichtregie und der Platz für die Musiker, die mit ihrer Musik die mit dem Wechsel des Spielortes verbundenen kurzen Pausen überbrückten.
Die Zuschauer in den ersten Reihen der drei Zuschauerblöcke hatten eher die Möglichkeit sich auf die durch die Aufstellung von Stühlen vorgegebene "eigene" Bühne konzentrieren zu können und damit zumindest einen Ausschnitt der Handlung und des Spiels mitzubekommen, während die Zuschauer in den hinteren Reihen eher den mit dem parallelen Spiel verbundenen akustischen Reizen ausgesetzt waren, deshalb eher ihrer Neugier folgten, sich umdrehten und zusätzliche Eindrücke von den beiden anderen Bühnen aufnahmen. Letztlich mit der Konsequenz, dass eigentlich nur Versatzstücke mitzubekommen waren und dies auch nur unter der Bedingung, dass der Inhalt bekannt ist. Dabei ging die Gruppe davon aus, dass der Text durch die jüngsten Filme bekannt ist.

So spannend das Raum- und Inszenierungskonzept in der Nachbesprechung empfunden wurde, Tenor ist jedoch gewesen, dass die mit diesem Konzept verbundenen Wünsche und Absichten der Gruppe leider nicht aufgegangen sind. Mit anderen Worten: Die von der Gruppe beabsichtigte Wirkung ihres Raumkonzeptes wurde falsch eingeschätzt.
Deutlich wird hier, wie wichtig es ist, bereits möglichst früh erste Ergebnisse der Arbeit in einem eingeschränkten Zuschauerkreis, der jedoch schon über die Spielgruppe hinaus gehen sollte, hinsichtlich der beabsichtigen Wirkung zu prüfen und zu diskutieren.
Eine weitere Konsequenz dieses Inszenierungs- und Raumkonzeptes ist offensichtlich der in der Nachbesprechung kritisierte Verlust von Spannung im Spiel gewesen. Wir vertrauen hier auf das Wort des Haus- und Hoffotografen, dem es nur in einigen wenigen Szenen möglich gewesen ist, spannungsreiche Fotos einzufangen. Die Gruppe wies selbst in der Nachbesprechung auf ihre Schwierigkeit hin, sich auf das eigene Spiel zu konzentrieren, ohne von den Aktionen und Dialogen auf den anderen Bühnen abgelenkt bzw. das eigene Spiel im Timing mit dem auf den anderen Bühnen koordinieren zu müssen.
Offensichtlich hat die Gruppe - bedingt durch die (technische) Umsetzung ihres Raum- und Inszenierungskonzeptes - die Schwerpunkte ihrer Arbeit nicht richtig gesetzt.
Technischer Aufwand darf nicht dazu führen, dass Spielerinnen und Spieler von ihm in ihrem Spiel behindert werden!

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wenden Sie sich an Michael Schwarzwald
Stand: Mai 2001

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