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AUFFÜHRUNGEN
2000
Überblick
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Theaterwoche Korbach 2000: Aufführungen
theater-spiel-laden, Rudolstadt
Spielleitung: Frank Grünert
"GERETTET"
Die Wiederbegegnung mit Bonds Stück "Gerettet" nach fast 40
Jahren erschreckt noch mehr, weil die Realität das Bühnengeschehen
bereits überholt. Der theater-spiel-laden/Rudolstadt verlagert die
bedrückende Handlung von London in eine triste Plattenbau-Siedlung in
Ost-Deutschland. Die Thüringer gingen behutsam an die Bearbeitung heran;
es wurde gekürzt, Szenen geringfügig verändert, ohne den Gesamteindruck
zu stören. Die Steinigungsszene ist nicht ganz so grässlich; eine
Textpassage von Len auf Liz übertragen, wertet diese Rolle auf. Der
häufige Schauplatzwechsel ist gut gelöst: wichtigstes Requisit eine
Gitterwand, die einen Raum abschließt, die trennt und überklettert
werden kann. Auch die größeren Umbauten auf offener Bühne stören
nicht; der Zuschauer bemerkt sie kaum. Die Szenen sind atmosphärisch so
dicht, dass die Denkpause wohl tut.
Das Spieltempo ist langsam, es gibt Pausen, weil nichts passiert: aber
die Darsteller können durch kleine Gesten, durch den Gesichtsausdruck die
Spannung halten. In der Szene zwischen Len und Pams Mutter entstand
knisternde Atmosphäre, die Harrys Auftritt spürbar stört. Die Menschen
leben in einem Interieur, das Gemütlichkeit schaffen soll, aber sie sind
unfähig, ihr Leben zu gestalten.
Die Rudolstädter machen gutes Theater; es war interessant, an einem
Tag zwei so unterschiedliche Aufführungen zu sehen wie
"Gerettet" und das Märchen "Zwerg Nase".
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| Impressionen
aus der Aufführung |
Kommentierungen aus der Festivalzeitschrift Spotligth Nr. 5
Ein Kinderwagen in der Bühnenmitte, vier Jugendliche beginnen das Kind zu
quälen, geilen sich auf, stacheln sich gegenseitig an, prügeln auf das
Kind ein, provozieren schließlich den Vater des Kindes, sein Kind mit
einem Stein zu erschlagen ..., so der traurige Höhepunkt in dem
Schauspiel "Gerettet" von E. Bond, in dem ‚Menschen
aufeinander treffen, die nicht miteinander umgehen können: sprachlos,
brutal, ohne Zukunftsperspektive ...'
- Zur Wirkung: In beklemmenden realistisch wirkenden Bildern
setzten die Rudolstädter die Textvorlage von E. Bond in ihrem
90-minütigem Spiel um. Die erste Resonanz, nachdem man Abstand von
dem Spiel gefunden hatte, hierzu im Publikum reichte von "Die auf
der Bühne dargestellten Menschen waren so schlimm, dass ich überlegt
habe, den Theatersaal zu verlassen ..." bis "Ich fand es
wichtig, dass die Gruppe diese realistische Darstellungsweise gewählt
hat, weil sie mich in dieser Darstellung auf der Bühne betroffen
gemacht hat ..."
- Zum Spiel: In der Nachbesprechung bestand einhelliger Konsens
darin, dass es der Gruppe durch ihre Spiel gelungen ist, die
Textvorlage überzeugend auf die Bühne zu bringen, dabei stellte die
Gruppe dar, dass sie den Text erheblich gekürzt, aktualisiert und auf
unsere Verhältnisse übertragen hat. Im Vergleich zu anderen Gruppen
des Treffens muss man bei dieser Gruppe berücksichtigen, dass sie mit
dieser Inszenierung bereits zwanzigmal aufgetreten ist.
- Zu weiteren theatralen Mitteln: Der Grundstock des
Bühnenbildes bestand aus zwei zusammenklappbaren rechteckigen
Stellflächen und bekletterbaren Gitterwänden. Dieser wurde in der
weiteren Ausgestaltung um realistische Accesoires zur
illusionistischen Darstellung von Balkon und Wohnzimmer (mit
Tischgruppe, Sofa, Fernseher, Sonnenschirm ...) in einem (Plattenbau-)
Wohnviertel ergänzt und diente im weiteren Verlauf des Spiels auch
für die Gestaltung von zumindest 5 weiteren Bühnenbildern:
Straßenszenerie, Strandbad, Zimmer von Pam, Gefängnis, (Garten-)
Lokal. Als positiv wurde die Form des Umbau dieser Bühnenbilder
empfunden, der in der Art erfolgte, dass er bewusst nicht hinter
geschlossenem Vorhang, sondern bei Musikuntermalung in das Spiel
integriert und von den 4 Darstellern der Jugendgruppe in einer
"ritualisierten?" Form durchgeführt wurde - vielleicht auch
mit der Wirkung darzustellen, dass es sich um ein Spiel handelt.
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