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Aufführungen

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2002

Überblick

Theaterwoche Korbach 2002

 

Theaterwoche Korbach 2002: Aufführungen


Theatergruppe des Herzog-Christian-August-Gymnasiums Sulzbach-Rosenberg
Spielleitung: Winfried Steinl
"So kam ich unter die Deutschen"
Eigenproduktion

Barbaren von alters her! Hölderlins Bestandsaufnahme von den Deutschen bzw. die seines Helden Hyperion um die Jahrhundertwende vom 18. zum 19. Jahrhundert hat nichts an Deutlichkeit auch für die Deutschen um die Jahrtausendwende eingebüßt. Wieso lernen wir nichts? Fast jeder Tag bringt uns Meldungen von dieser braunen Pest, die wir ausgerottet geglaubt hatten. Das Schreckliche ist Alltag geworden in unseren deutschen Ländern und bei uns Deutschländern, auch in unserer deutschländisch-bayerisch-oberpfälzischen Provinz. Da ist Schluss mit heimeliger heimatlicher Tümelei und der Knüppel kommt aus dem Sack. "Dummheit und Stolz wachsen af oam Holz" (Oberpfälzer Weisheit) und wir sind selber nicht frei davon. Sind wir stolz Deutsche zu sein?

Uns, das sind die Theater-AG 10/11 und der GK Dramatisches Gestalten des HCA-Gymnasiums Sulzbach-Rosenberg, nervt das alles seit längerer Zeit, und aus dem Grund haben wir uns endlich entschlossen, unsere Erfahrungen, Auseinandersetzungen, Ängste, Aggressionen, Ohnmachtsgefühle aus der Betroffenheitsecke und dem Debattierzirkel herauszunehmen und uns um eine theatrale Form zu bemühen. Unser Versuch einer politischen Stellungnahme!

Zunächst haben wir uns und unseren Mitmenschen aufs Maul geschaut, Aktuelles aus Zeitungen geschnippselt, Widerwärtiges aus Internet-Seiten, Fanzines und CDs uns angetan, in der deutschen Literatur um Beistand gesucht (Hölderlin, Heine, Brecht, Celan, Eich, Fried, Schädlich, Kroetz, Struwwelpeter), uns an Volks-Liedern erbaut. Das alles versuchen wir in Bilder zu formen, die wir auf Laufstegen und Kleinbühnen, aber auch auf einer Videowand zu unserem Publikum transportieren. Formale und inhaltliche Gratwanderungen; Abstürze nicht ausgeschlossen!

 

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Impressionen aus der Aufführung

Die Theatergruppe des Herzog-Christian-August-Gymnasiums Sulzbach-Rosenberg unter der Spielleitung von Winfried Steinl zeigte am Dienstagabendabend unter großem Beifall ihre eindrucksvoll-dynamische Eigenproduktion "So kam ich unter die Deutschen".
Auf der Basis von Texten von Hölderlin, Heine, Brecht, Celan, Eich, Fried, Schädlich, Kroetz und dem Struwelpeter als literarischem Korsett zeigten die Schüler rechtsradikale Szenen aus ihrer deutschländisch-bayrisch-oberpfälzischen Provinz, die in typischer Agitpropmanier der 70ger Jahre das Publikum zu fesseln wussten. Spannungsgeladen war schon der Beginn. Auf einem rechteckig angelegten Holzlaufsteg in den Zuschauerrängen schnarchen die Schauspieler unter Zeitungen. Langsames Erwachen, der Griff zur Zeitung, ein Stimmengewirr hebt an, es wird lauter, allmählich versteht man, was vorgelesen wird - wieder ein Ausländer von Neonazis angegriffen - der Lautstärkepegel steigt und steigt und fällt schlagartig auf Null. Dann lauter chorischer Vortrag der Nachricht.
Nun wechseln sich wunderbar körperlich gespielte, von der Regie geschickt inszenierte humoristische Szenen Bayrisch kauderwelschender dummdeutscher Hinterwäldler in der Verkündigung ihres Fremdenhasses mit dem versteckt rechtsradikalen Zynismus einer Politikergruppe ab.
Im Hintergrund eine Videoleinwand, von der aus den Zuschauer eine Vielzahl von Augenpaaren anglotzen oder die ihn zu einer heiteren Landpartie "im Frühtau zu Berge" einläd. Trotz aller schauspielerisch faszinierenden Präsenz und gruppenchoreographischen Dynamik, der Zuschauer sieht Bekanntes. Die Reaktion: Ach ja statt aha. Die gut gespielte Rolle des dunkelhäutigen Ausländers, der zwischendurch u.a. immer wieder seltsam fremd schwerblütige Hölderlin Verse deklamiert, die sich in den Köpfen der Zuschauer nicht festsetzen, will nicht so recht ins Bild passen und erscheint etwas konstruiert. Die Übeltäter sind allzu schnell erkannt und demaskiert, der vordergründigen Lächerlichkeit preisgegeben, der moralische Zeigefinger äußert unmissverständlich: "Mir san mir und die san die".

Hier geht's zur Nachbesprechung dieser Aufführung aus der Festivalzeitschrift Spotlight.
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Und hier geht's zur Homepage der Theatergruppe.

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Stand: April 2002

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