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2002

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Theaterwoche Korbach 2002

 

Theaterwoche Korbach 2002: Aufführungen


"Hotel New Hampshire"
nach dem gleichnamigen Roman von John Irving
gespielt von Tempus Fugit, Lörrach
Spielleitung: Karin Maßen

Trotz aller Komik ist "Hotel New Hampshire" ein zutiefst melancholisches Stück. Es erzählt die Geschichte von Win Berrys unerschütterlichen Versuchen, seinen Traum von einem Leben in Erfolg, Luxus, Geborgenheit und von einer glücklichen Familie zu verwirklichen. Diesen Traum möchte Win Berry als Hotelier realisieren, allerdings ohne die wirtschaftlichen Grundlagen dieses Metiers genügend zu beherrschen. So stellen sich unweigerlich Rückschläge ein. Der Traum erweist sich als Illusion. Als sich Mary Bates und Win Berry kennen lernen, erscheint es ihnen, als eröffne sich ihnen ein unbekanntes verlockendes Leben. Nach ihrer Heirat wächst die Familie und besteht schließlich aus Wins Vater Iowa Bob, sowie Franny, Frank, John, Lilly und Egg.
Da keiner dieser Familie "normal" ist, ist das Chaos vorprogrammiert. Es entwickelt sich ein grotesker Reigen von Sex und Gewalt, Unfällen und Zufällen.

Diesen Roman für die Bühne umzusetzen ist ein spannendes Wagnis für uns alle. Wir alle lieben den Roman und es fällt dennoch so schwer zu formulieren, was uns so angezogen hat und weiterhin fesselt.

Die Figuren sind so vielfältig und unglaublich liebenswert, dass sie sich geradezu für Identifikation und Darstellung anbieten. Und Jeder möchte auch alles spielen, erleben, ausprobieren: egal ob das männliche oder weibliche Figuren sind - das zeigen wir auch ...
Ganz schon einheizen und anheizen werden uns unsere Musiker - das lässt uns so richtig lossprinten. Auf die Plätze - fertig ...

Wir sind 16 SpielerInnen im Alter von 17 - 22 Jahre und arbeiten zusammen mit vier tollen, neuen Musikern aus Lörrach und Rheinfelden.

 

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Impressionen aus der Aufführung

Die in Korbach beliebte Theatergruppe Tempus Fugit aus Lörrach unter der Spielleitung von Karin Maßen stellte sich in diesem Jahr mit einem Stück, der mit Spannung erwarteten Dramatisierung von John Irvings "Hotel New Hampshire" vor und sorgte in der anschließenden Diskussion für die kontroverseste Beurteilung. Die Bearbeitung ist ein Wagnis: 600 Seiten bieten zunächst nur ein Handlungsgerippe. Mit den abstrusen Figuren muss sich der Leser erst vertraut machen. Eine amerikanische Familie: Der Vater -ein Traumtänzer- will Hotelier werden, obwohl er als Lehrer davon nichts versteht. Frank, der Älteste, ist homosexuell; die beiden Mittleren, Franny und John haben mit Inzestproblemen zu kämpfen; Lilly ist zwergwüchsig; Egg, der Jüngste ist schwerhörig und die Mutter versucht diese Unruhefamilie zusammen zu halten. Es geht um Vergewaltigung und Gewalt, um Prostitution und Extremismus, um den Juden Freud, der ausgerechnet z.Zt. der Judenverfolgung nach Wien zurückkehrt. Soweit der Roman.
Die Spieler fühlen sich von dem Roman angesprochen und sehen Möglichkeiten der Identifikation. Es ist ihnen dazu auch viel eingefallen, angeregt von der Beschäftigung mit dem Autor, der begeisterter Sportler war. Das könnte die Spielidee geliefert haben. Ein riesiges Metallgerüst gibt den Rahmen, die Spieler laufen ein wie auf einen Fußballplatz. Sie verteilen sich akrobatisch auf den Stangen, sitzen sich gegenüber wie auf Auswechselbänken.
Ausgewechselt werden auch die Figuren: Immer neue Besetzungen verhindern jedoch eine Charakterisierung der Person und verwirren den Zuschauer. Zu hervorragender Livemusik, die etwas abseits bleibt, folgen die Aktionen im hohen Tempo aufeinander, trotzdem dauerte das Spiel über zweieinhalb Stunden. Anfangs folgt der Zuschauer dem Geschehen mit Spannung; die Stilisierung heikler Szenen kommt an: witzig die Geburt der fünf Kinder; eindrucksvoll Frannys Vergewaltigung; das Gebalge der Geschwister und Lillys durchdringende Schreie. Allmählich wird das Geschrei zu laut und die Bewegungen werden zu hektisch; dem Zuschauer ist es schließlich egal, auf welcher Stange welcher Spieler sitzt. Bis zum Flugzeugabsturz sind die Szenen durchgestaltet, dann verwirrt sich der rote Faden. Kein Wunder, denn auch der Roman wird immer skurriler.
Fazit: Die Gruppe sollte aus den Figuren Charaktere entwickeln, die einen Hintergrund haben.

Hier geht's zur Nachbesprechung dieser Aufführung aus der Festivalzeitschrift Spotlight.
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wenden Sie sich an Michael Schwarzwald
Stand: Juli 2002

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