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Aufführungen

AUFFÜHRUNGEN
2003

Überblick

Theaterwoche Korbach 2003

 

Theaterwoche Korbach 2003: Aufführungen

Theater-AG Edertalschule Frankenberg
Spielleitung: Paul Möllers
"Vier Fäuste für ein Halleluja - Goethes Faust goes Western"

Zugegeben, am Anfang stand eine Schnapsidee: "Faust spielen - ach nein, das geht nicht - oder vier Fäuste? - da war doch was? - Vier Fäuste für ein Halleluja! - aber das ist doch ein Western, eine Westernparodie - und warum können die vier Fäuste (Faust hatte sich schon vervierfacht...) nicht in den Westen fliegen anstatt auf den Blocksberg? Ja, so war die Idee geboren, und sie bekam Flügel.
Goethes guter alter "Faust" wurde von uns radikal gekürzt und verändert, dennoch werden Goethe-Liebhaber und Faust-Fans auf ihre Kosten kommen - und mehr als einmal überrascht sein, weil wir einige Punkte gerade rücken müssen. Bei genauerer Betrachtung stellten wir nämlich fest, dass unser Goethe nicht weit genug gedacht hat. Zu sehr verfangen in seinem dualistischen Weltbild konnte er die volle Dimension seiner Faust-Figur nicht erkennen: "Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust" - eine unzulässige Verkürzung, eine Einschränkung der Perspektive! Es gibt schließlich mehr als zwei Seiten, so wie es Norden, Süden, Osten und Westen gibt...
Auch die Entfaltungsmöglichkeiten der Menschen konnte unser Goethe höchstens erahnen. So mussten sich sein Faust und sein Mephisto mit Ausflügen in Deutschland (Brocken!!) begnügen, im 2. Teil ging es immerhin in den Süden, aber der Westen war völlig out of order. Heute ist der Westen das Maß aller Dinge, der Traum vom Westen hat den Traum vom Süden längst abgelöst - und der Western ist sozusagen die sinnbildliche Überhöhung des Westen: Der freie, ungebundene Mann erkämpft mit der Knarre in der Hand, was ihm zusteht.
Die Theater-AG ist eine freiwillige schulische Arbeitsgemeinschaft, die allen SchülerInnen der Klassen 10 - 13 offen steht und z. Z. 32 Teilnehmer umfasst. Wer die Schule verlässt, kann nicht mehr mitmachen - so gibt es in jedem Jahr große Veränderungen, und jeder Schuljahresanfang bedeutet auch einen (relativen) Neuanfang. Alle Schritte der Inszenierung werden gemeinsam diskutiert und erarbeitet.

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Impressionen aus der Aufführung

Eine köstliche Parodie lieferte die Theater-AG Edertalschule/Frankenberg mit "Vier Fäuste für ein Halleluja - Goethes Faust goes Western" im Industriemuseum Schreufa. Faust, Mephisto, Gretchen, Marthe: alle vervierfacht, verschiedenen Charakterzügen entsprechend: z.B. Faust als Intellektueller, als Naturforscher, als Suizidgefährdeter, als Genussmensch; das naive Gretchen, die Gezierte, die Geschwätzige, das lebenshungrige Mädchen. Entsprechend gut gelungen die Zuordnung der Paare. Vor allem das Text-Splitting zeigt, wie intensiv sich die Schüler mit dem Goethe-Text beschäftigt haben. Eine Fülle von Einfällen brachte die Zuschauer zum Lachen: der- ferngesteuerte Spielzeugpudel, der Pulverdampf, die Flüge gen Westen mit dem Lastenaufzug; Amerika ist das Ziel. Statt Auerbachs Keller der Saloon als Schauplatz für die pantomimische Schlägerei der Cowboys. Ein Western-Girl als ideales Frauenbild; das ist in Verbindung mit dem Goethe-Text wirklich witzig. Ebenso der Dialog zwischen Faust und Mephisto auf der Straße, in vier Variationen aufgegliedert: Faust reitet auf einem mechanischen Schaukelpferd und Mephisto muss nebenherlaufen. Daraus ergibt sich eine pointierte Charakterisierung. Mit den Gretchen-Szenen wird nicht ganz so respektlos umgegangen; ihr Schicksal soll ernst genommen werden. Doch ein Gag am Schluss stellt den Ausgleich wieder her: Im Hintergrund entschwebt Gretchen als Pappfigur nach oben gen Himmel. So macht der Umgang mit klassischer Literatur Spaß.

Hier geht's zur Nachbesprechung dieser Aufführung aus der Festivalzeitschrift Spotlight.
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Stand: Februar 2004

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