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Aufführungen

AUFFÜHRUNGEN
2003

Überblick

Theaterwoche Korbach 2003

 

Theaterwoche Korbach 2003: Aufführungen

AGORA, St. Vith/Belgien
Regie: Marcel Cremer
"Der kleine rote Prinz"

Mit dem Ende vom Aschenputtelmärchen fängt unser Stück an. Wir erzählen und spielen die Zeit nach dem Märchen. Einige Jahre sind nach der Hochzeit ins Land gezogen. Aschenputtel war nun die neue Königin. Deshalb musste sie nie mehr zu Fuß gehen. Ihre Füße schwollen an, weil sie die meiste Zeit im Bett verbrachte. Der König erkannte sie nicht mehr, weil der Schuh ihr nun nicht mehr passte. Im ganzen Königreich ließ er sie suchen. Und eines Tages war auch der Stuhl leer, in dem er immer saß. Er war fort. Seit dem lebt Aschenputtel, die Königin, mit ihrem Sohn, den Zwillingstöchtern der verstorbenen Stiefmutter und dem Hofnarr im Schloss. Alle anderen haben das Schloss und das Königreich verlassen. Die Königinmutter verbringt die meiste Zeit damit, ihren Sohn zum König zu erziehen.
Wie gehen diese fünf Menschen miteinander um? Kann die Zeit die Wunden heilen, die das Märchen ihnen geschlagen hat? Können sie ihr Leben neu gestalten? Können Sie das Gegeneinander im Märchen verwandeln in ein Miteinander im Jetzt und Hier? Ist ihr Schloss eine Ruine, in der die Geister der Vergangenheit herumspuken, oder ist es ein Ort, in dem das Leben aufs neue blüht? Vertreiben, verspielen und verlieren sie dort ihre Zeit, oder finden sie Zeit für sich und die anderen? Gelingt es ihnen, ein gemeinsames Bild der Zukunft zu malen? Welches Blut fließt durch die Adern dieser Menschen? Ist am Ende wieder Blut im Schuh? Das sind die Kernfragen, mit denen sich unser Stück befasst. Neben dem Spiel mit Zeit, Worten und Klängen ist es ein Spiel mit Farben. In einem verwunschenen Schloss, das der Zuschauer betritt.
AGORA ist ein belgisches Theater und macht Inszenierungen für Erwachsene, Jugendliche und Kinder. Ihre Stücke reichen von der Bearbeitung literarischer Vorlagen bis hin zu Inszenierungen von neuen Inhalten auf experimenteller Grundlage. Dabei verwendet das Ensemble regelmäßig eigene Musik und bedient sich des Mediums Film. Dem Spielort wird eine Bedeutung beigemessen: Manche Inszenierungen haben keine Bühne, deshalb suchen sie sich immer wieder einen Ort, andere haben ihre Raumbühne immer dabei.

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Impressionen aus der Aufführung 

Die Farbe Rot wie Blut beherrschte das Spiel der AGORA, St. Vith/Belgien mit "Der Kleine rote Prinz". Aschenputtel ist alleinerziehende Mutter; der König hat sie verlassen, weil sie nicht mehr seinem Traumbild entspricht. Nur die beiden Stiefschwestern und der Narr leben noch im Schloss. Der Prinz, der zuerst nicht König werden will, entwickelt sich zum Despoten: Er lässt von den Frauen blaue Pferde malen (Anlehnung an den Blauen Reiter), er missbraucht sie selbst als Zugpferde und reitet auf dem Rücken des Hofnarren. Sie malen für ihn Untertanen, Porträts der Zuschauer, die er mit seinen roten Stiefeln tritt. Berührend die Tanzszene mit seiner lahmen Mutter, die auf dem großen Bett endet, dem beherrschenden Requisit der Inszenierung. Der Phantasie des Zuschauers wird viel überlassen. Welche Bedeutung hat die Textstelle "Ich bin Papa"? und Mutters Abwehr: "Du bist nicht Papa!" Soll der ' Zuschauer Rückschlüsse auf ein problematisches Mutter-Sohn-Verhältnis ziehen? Berührend ist auch die Hilflosigkeit der Figuren am Schluss. Die beiden Mädchen rufen nach der Mutter, die sie einst verstümmelte, und der Sohn nach dem Vater, der ihm fehlt. Das moderne Märchen lässt viele Assoziationen zu: Trauer, Verlassenheit, Gewalt und Bösartigkeit. Auch Mitgefühl als versöhnlicher Ausblick, als Aschenputtel die farbbesudelten Gesichter der Mädchen und des Sohnes reinigt. Die Arie der Tosca "Nur der Schönheit weiht' ich mein Leben ..." als Background-Musik konterkariert die Spielszenen, die der Zuschauer vorher gesehen hat. Dieser offene Erzählstil ist charakteristisch für Produktionen der Belgier.

Hier geht's zur Nachbesprechung dieser Aufführung aus der Festivalzeitschrift Spotlight.
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wenden Sie sich an Michael Schwarzwald
Stand: Februar 2004

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