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AUFFÜHRUNGEN Theaterwoche Korbach 2003 |
Theaterwoche Korbach 2003: AufführungenAGORA, St. Vith/Belgien Mit dem Ende vom Aschenputtelmärchen fängt unser
Stück an. Wir erzählen und spielen die Zeit nach dem Märchen. Einige
Jahre sind nach der Hochzeit ins Land gezogen. Aschenputtel war nun die
neue Königin. Deshalb musste sie nie mehr zu Fuß gehen. Ihre Füße
schwollen an, weil sie die meiste Zeit im Bett verbrachte. Der König
erkannte sie nicht mehr, weil der Schuh ihr nun nicht mehr passte. Im
ganzen Königreich ließ er sie suchen. Und eines Tages war auch der Stuhl
leer, in dem er immer saß. Er war fort. Seit dem lebt Aschenputtel, die
Königin, mit ihrem Sohn, den Zwillingstöchtern der verstorbenen
Stiefmutter und dem Hofnarr im Schloss. Alle anderen haben das Schloss und
das Königreich verlassen. Die Königinmutter verbringt die meiste Zeit
damit, ihren Sohn zum König zu erziehen.
Die Farbe Rot wie Blut beherrschte das Spiel der AGORA, St. Vith/Belgien mit "Der Kleine rote Prinz". Aschenputtel ist alleinerziehende Mutter; der König hat sie verlassen, weil sie nicht mehr seinem Traumbild entspricht. Nur die beiden Stiefschwestern und der Narr leben noch im Schloss. Der Prinz, der zuerst nicht König werden will, entwickelt sich zum Despoten: Er lässt von den Frauen blaue Pferde malen (Anlehnung an den Blauen Reiter), er missbraucht sie selbst als Zugpferde und reitet auf dem Rücken des Hofnarren. Sie malen für ihn Untertanen, Porträts der Zuschauer, die er mit seinen roten Stiefeln tritt. Berührend die Tanzszene mit seiner lahmen Mutter, die auf dem großen Bett endet, dem beherrschenden Requisit der Inszenierung. Der Phantasie des Zuschauers wird viel überlassen. Welche Bedeutung hat die Textstelle "Ich bin Papa"? und Mutters Abwehr: "Du bist nicht Papa!" Soll der ' Zuschauer Rückschlüsse auf ein problematisches Mutter-Sohn-Verhältnis ziehen? Berührend ist auch die Hilflosigkeit der Figuren am Schluss. Die beiden Mädchen rufen nach der Mutter, die sie einst verstümmelte, und der Sohn nach dem Vater, der ihm fehlt. Das moderne Märchen lässt viele Assoziationen zu: Trauer, Verlassenheit, Gewalt und Bösartigkeit. Auch Mitgefühl als versöhnlicher Ausblick, als Aschenputtel die farbbesudelten Gesichter der Mädchen und des Sohnes reinigt. Die Arie der Tosca "Nur der Schönheit weiht' ich mein Leben ..." als Background-Musik konterkariert die Spielszenen, die der Zuschauer vorher gesehen hat. Dieser offene Erzählstil ist charakteristisch für Produktionen der Belgier. Hier geht's zur Nachbesprechung dieser Aufführung
aus der Festivalzeitschrift Spotlight. |
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