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WERKSTÄTTEN
Überblick
Reiseprospekte (2000)
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Werkstätten
Theaterwoche Korbach 2000:
Reiseprospekte: Räume bilden und bespielen
Werkstatt Körpertheater: "Räume
verkörpern"
Ruth Schneider, Bonn
Eckhard Debour, Roetgen
Die Werkstatt Körper. Raum. Reise war eine Reise von innen nach
außen. Ausgehend von unseren Sinneswahrnehmungen wurde so die
Wechselbeziehung von Erleben und Verkörpern als schöpferischer Prozess
erfahrbar.
Voraussetzungen für die körpersprachliche Kommunikations- und
Darstellungsfähigkeit waren Wahrheit, Präsenz, Experimentierfreude und
vor allem die Bereitschaft, sich auf fremdartige Impulse einzulassen.
Die Teilnehmer erwartete ein vorbereiteter Raum. In der Mitte auf einer
runden Decke befanden sich Gegenstände aus der Natur und eine Duftlampe
(symbolischer Bezug zum Thema). Der Deckenkreis um diese gestaltete Mitte
lud zum Sitzen ein, zudem richtete er die Aufmerksamkeit und schuf ein
Gemeinschaftsgefühl. Sichtlich irritiert, jedoch neugierig und offen, um
sich auf innovative Herangehensweisen einzulassen, hörten sich die
Teilnehmer eine kurze Vorstellung unseres Vorhabens an und nach einem
kleinen Namenlernspiel startete unsere Innenreise durch die Jahreszeiten.
Diesen Zeiträumen ordneten wir jeweils ein Element zu.
I. Frühling/Luft
Nach einer vorbereitenden Körperarbeit und dem kurzen Einspüren in
die Liegehaltung führte eine Phantasiereise in einen Raum, aus dem vier
Türen nach draußen abzweigten. An den Türen hingen die Schilder
>Frühling<, >Sommer<, >Herbst< und >Winter<. Die
erste Phantasiereise führte in den Frühling. Alle Sinne wurden
angesprochen, unterstützt wurden die Vorstellungsbilder durch einen
passenden Duft.
Atemübungen: Atemräume - Weiten im Sitzen, Aufblasen eines
Luftballons, pulsierendes Atmen als chorische Bewegung, ließen die
Teilnehmer bewusst Luft holen.
Theatrales Gehen schafft Bewusstheit für den Raum:
Beachte die 3 Ebenen (Tisch-, Tür- und Radebene)!
Gehe nur auf den Zehenspitzen / nur auf den Fersen / auf den Innenkanten
des Fußes / auf seinen Außenkanten / mit nach außen gestellten
Fußspitzen / mit nach innen gestellten Fußspitzen!
Rolle die Fußsohle ab / setze die ganze Fußsohle auf!
Gehe mit Riesenschritten / mit kleinen Trippelschrittchen!
Gehe vorwärts / rückwärts / seitwärts / diagonal!
Variiere die Geschwindigkeit (Zeitlupe / Zeitraffer)!
Friere auf Signal die Bewegung ein!
Die Teilnehmer assoziieren zum Element Luft und setzen anschließend ihre
Assoziationen körpersprachlich um.
Luft: Atem, Wind, pfeifen, säuseln, schweben, gleiten, brausen, blähen,
wirbeln, flattern, lau, mild, schwerelos, Wolken, Ballon, Wirbelsturm,
Puste, Hauch, ersticken.
Eine Auswertung des Körperschwerpunkts Luft leitete über zu bewussten
Bewegungen zur Schwerelosigkeit: schweben, springen, wachsen, wirbeln.
In Einzelarbeit wählten die Teilnehmer zwei bis drei der erprobten
Bewegungsmuster aus und setzten diese aneinander. So entstanden kurze
wiederholbare Bewegungsabfolgen.
Im letzten Arbeitsschritt wurden die gefundenen Bewegungsmuster der Musik
angepasst oder bewusst entgegengesetzt.
Als Musik wählten wir die vier Jahreszeiten von Vivaldi, d. h. für jede
Jahreszeit einen entsprechenden Satz.
II. Sommer/Feuer
Entsprechend gestalteten sich die übrigen Werkstatteinheiten.
Nach einer vorbereitenden Körperarbeit führte die Phantasiereise in den
Sommer.
Der Drachenkampf als energievolle Körpererfahrung leitete über zum
Element Feuer, welches die Teilnehmer wieder zu ihren eigenen
Assoziationen verkörperten.
Feuer: flimmern, knistern, züngeln, flirren, lodern, fressen, prasseln,
flackern, um sich greifen, sich ausbreiten, Wärme, Hitze, Dürre, Flamme,
Funke, Gewitter, Vulkan.
Die analytische Auswertung des Körperschwerpunkts Feuer im Solarplexus
führte zu bewussten hektischen Bewegungen.
Diesmal wurden in Kleingruppen (3 - 4 Personen) kurze wiederholbare
Bewegungsabfolgen einstudiert und dann mit Musikeinspielung
choreographiert.
III. Herbst/Erde
Die Phantasiereise in den Herbst wurde mit Lavendelduft und
anschließendem gemeinsamen Traubenverzehr gestaltet.
Der Karawanentanz stimmte ein auf das zu verkörpernde Element Erde.
Erde: fett, schwer, trocken, staubig, feucht, dumpf, hügelig, umgraben,
bedecken, Mutter Erde, Leben, Sicherheit, Höhle, Wurzeln, Regenwürmer,
Erdbeben, Erdrutsch.
Die anschließende Auswertung des Körperschwerpunkts Erde führte zu
bewusst schwerfälligen Bewegungen, um die Erdverbundenheit und
Verwurzelung auszudrücken.
Diesmal erarbeitete die gesamte Gruppe eine wiederholbare
Bewegungsabfolge. Auch hier unterstützte die später dazu eingespielte
Musik die Intensität der Körperbilder.
IV. Winter/Wasser
Zur Vorbereitung auf die Ruhe des Winters passte die passive
Muskelentspannung, die überleitete zur letzten Phantasiereise in den
Winter.
Lockerungsübungen und Massage erwärmten die kalt gewordenen Glieder.
Die Teilnehmer assoziierten und verkörperten zum Element Wasser.
Wasser: kalt, eng, starr, rieseln, schneien, versickern, Kristall, Frost,
Schneedecke, Eis, Schneeschmelze.
Die Auswertung des Körperschwerpunkts Wasser führte zu flüssigen und
schwerelosen Bewegungen.
Die kurze wiederholbare Bewegungsabfolge wurde nun in Partnerarbeit
gefunden und anschließend auf den Rhythmus der Musik übertragen.
V. Gesamtchoreographie
Die erarbeiteten vier Einzelchoreographien wurden modifiziert, ergänzt
und verbessert und in chronologischer Reihenfolge: Frühling, Sommer,
Herbst und Winter, addiert.
Bei der Werkstattpräsentation wurden somit vier unterschiedliche
Zeiträume und Elemente bzw. damit verbundene Stimmungen körpertheatral
gezeigt.

Impression aus der Werkstattpräsentation
Fazit
Wir meinen, das Ergebnis hat gezeigt, dass die Herangehensweise über
Vorstellungen und Sinneseindrücke durchaus neben herkömmlichen
Theatertechniken bestehen kann.
Uns hat die Werkstattarbeit viel Spaß gemacht und für die Teilnehmer
stand eine ganz neue Theatererfahrung im Vordergrund.
Die Teilnehmer sind auch nach einer kurzen Nacht gerne zur Werkstatt
gekommen. Sie haben es sehr genossen, sich in einer angenehm gestalteten
Raumatmosphäre auf den Decken niederlassen zu können und so allmählich
leise und konzentriert auf das weitere Geschehen vorbereitet zu werden.
Als Erinnerung erhielten die Teilnehmer eine Art Reiseprospekt. Zu jeder
Jahreszeit bzw. Element gab es ein Kunstphoto, ein Gedicht und die
jeweilige Liste der Assoziationen zu den vier Elementen, gesammelt in
einer kleinen Mappe.
An dieser Stelle möchten wir uns für Eure Offenheit, Konzentration und
theatrale Präsenz, sprich Qualität, bedanken. Ihr habt uns gezeigt, was
alles möglich ist, wenn man sich einlässt und engagiert. Kompliment! |