Werkstätten
Theaterwoche Korbach 2000:
Reiseprospekte: Räume bilden und bespielen
Werkstatt Bewegungstheater: "Abenteuerreisen
durch Räume"
Stefan Koller, Bonn
Bewegungstheater zeichnet sich durch seine körperorientierte
Spielweise aus, in der die Vielfalt der menschlichen Bewegung mit seinen
unendlichen Darstellungs- und Spielmöglichkeiten Hauptträger des
szenischen Spiels ist.
Das diesjährige Thema "Räume bilden und bespielen" mit der
literarischen Vorlage der Reiseprospekte kam mir sehr entgegen, da jede
Bewegung im Raum stattfindet, was wirklich nichts Neues ist, aber es gilt
sich dieser Tatsache bewusst zu werden! Ganz abgesehen von der
inhaltlichen Bearbeitung von diversen Themen, ist es mir wichtig, dass die
Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines Workshops ein besonderes Augenmerk
auf die bewusste Gestaltung von Bewegung legen. Sie sollen ein spezielles
Verständnis für Bewegung entwickeln. Sowohl über Körpererfahrung,
Zusehen und verbale Information sollen sie lernen, Bewegung als
räumliches und zeitliches Geschehen wahrzunehmen, das durch die Dynamik
erst zum Leben erweckt wird. Das trifft grundsätzlich, sowohl auf die
Bewegung einer Spielerin oder eines Spielers, als auch auf die Bewegung
einer Gruppe zu, bzw. auch auf die Bewegung eines ganzen Stücks.
Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen lernen, die beim Spiel ständig
entstehenden "Bilder", bewegungsspezifisch zu analysieren. Warum
wirkt ein Bild bzw. Bewegung interessant und warum nicht? Das räumliche
Verhältnis der einzelnen Akteure und der jeweiligen Gliedmaßen unter dem
Aspekt der dynamischen Bildgestaltung steht dabei im Zentrum der
Diskussion. Raumebenen und Raumrichtungen, zeitliche Unterschiede,
verschiedene Intensitäten und Spannungszustände der Bewegung des
Einzelnen oder der ganzen Gruppe sind zentrale Bewertungskriterien. Dieses
angestrebte Verständnis der eigenen Bewegung im Raum und der Bewegung im
Bild ist eine enorme Hilfe, die eigene Bewegung bewusst und interessant zu
gestalten, bzw. bewegte und spannende Szenen zu inszenieren. Ein
vertieftes Verständnis für Bewegung und der damit verbundenen Ausdrucks-
bzw. Darstellungsmöglichkeiten ist ohne Zweifel für alle Theaterformen
sehr nützlich.
Wir hatten eine Menge Spaß bei der Arbeit! Die unten aufgeführten
Körpertechniken mit ihren Spielmöglichkeiten wurden von Dienstag bis
Donnerstag bearbeitet. Die Reisekataloge wurden als Spielideenvorlage und
als Objekt benutzt. Der Freitag galt der Erarbeitung der Präsentation
für Samstag, wobei uns m. E. ein lustiges und intensives Stück gelungen
ist, wie auch die Waldeckische Landeszeitung feststellte:".., die
Gruppe erntete nicht nur viel Beifall, sondern auch einige Lacher."

Impression aus der Werkstattdarbietung
Folgende Bewegungstechniken werden behandelt:
Ganz- und Teilkörperspannung
z. B. Puppen, Roboter, Maschinenteile, abstrakte Gebilde, aber auch z. B.
plötzlich auftretende abstrakte Bewegungen bei ganz "normalen"
Menschen.
Bewegungsansatz
Jede Bewegung fängt "irgendwo" an und hat entsprechenden
Einfluss auf die folgende Bewegung. Setzt man dieses bewusst ein, können
damit spezielle Effekte bzw. Aussagen erzielt werden.
Zeitlupe
Sie ist als darstellerische Bewegungstechnik bekannt, darf aber rein
technisch nicht unterschätzt werden; bedarf der Übung!
Partneranpassung
Aufeinander abgestimmte, evtl. auch zeitgleiche Bewegungsfolgen. Auch
verstanden als Wahrnehmung der Mitspielerinnen und Mitspieler auf der
Bühne während des Spiels.
Typisierung
Jeder Typ den man spielen möchte, zeichnet sich durch ganz spezielle
Bewegungsbesonderheiten aus. Diese werden im Bewegungstheater durch
übertriebene bzw. untertriebene Bewegungen/Gestik zum Ausdruck gebracht.
Liebe Grüße an alle Workshopteilnehmerinnen und Teilnehmer und
natürlich auch an alle bekannten "Nasen" der Korbacher
Theaterwoche. |