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WERKSTÄTTEN
Überblick
Reiseprospekte (2000)
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Werkstätten
Theaterwoche Korbach 2000:
Reiseprospekte: Räume bilden und bespielen
Werkstatt Spiel mit Requisit:
"Phantasiereisen"
Iris Bertholdt, Karlsruhe
Am Anfang war großes Rätselraten: Was ist das, Spiel mit Requisit? Es
gab wage Vermutungen: "irgendwas mit Gläsern und Kerzenleuchtern und
so ..." bis hin zu absoluter Orientierungslosigkeit: "Lehrer hat
mich angemeldet - was machen wir hier eigentlich?" Dem folgte
allgemeine Verwunderung, als es dann vorgestellt wurde, das Requisit -
weißes Bettlaken, für jeden eins, ausgeliehen von der Jugendherberge.
Was nun - erste Annäherungsversuche, mal anfassen (hhm, schön weich),
sich einwickeln, gehen ausprobieren, rennen, Tücher flattern lassen,
fliegen. Moment - Fliegen?? Klar! Wozu sind wir so viele. Aufs Tuch legen
- die anderen greifen zu, sausen los und - huiiiiiii - Vorsicht die Wand!
Auch eine Möglichkeit Raum zu erfahren.
Gar nicht so einfach - bewegen in der Gruppe. Wo will ich hin und wo
wollen die anderen hin und wie komme ich da vorbei. Ist so ein bisschen
wie auf nem großen Bahnhof oder Flugplatz, nur wir reisen nicht mit
Koffer, wir reisen mit Bettlaken. Hat das eigentlich auch was zu sagen?
Mal fragen: Tuch um den Arm drapieren und schon fängt es an zu quasseln:
Wo fährst du hin? Wieso da hin? Wieso bleibst du nicht zu Hause? Kann
ganz schön löchern so ein Laken - da treffen sich zwei drei zum Reden -
seltsame Geschichten werden da erzählt vom Rumfahren in der Welt.
Vom Reisen träumen ist auch gut. Dein Traumziel - wie sieht das aus -
fast alle sind für Sonne, Meer und gemütlich am Strand rumlümmeln.
Baden im Meer - herrlich - geht das auch jetzt sofort - vielleicht mit
Hilfe der Bettlaken? Ja, geht. Wellen rauschen, eintauchen in von der
Sonne gewärmtem Wasser, auf und nieder im Rhythmus der Brandung und dann
... aus der Traum, da schwimmt noch was anderes, ein touristenhungriger
Hai und schon ist der Arm ab - vorbei.
Gucken wir lieber mal in Reiseprospekte. Jemand findet einen Text vom
zum Hotel umgebauten Kloster aus der Kolonialzeit. Wie mag es da aussehen,
im Hotelzimmer ausgestattet mit klösterlichen Antiquitäten?

Impression aus der Werkstattdarbietung
Text wird zum Bühnenbild - Bühnenbild verändert Text - es entsteht das
"Hotel Vatikan" mit wasserspeiender Maria und
Kruzifixventilator. Und die anderen Hotelzimmer - wie sind die so
beschrieben? Überall dasselbe - egal ob Teneriffa oder Wanne-Eickel,
einfach "universell".
Verreisen lohnt eben doch nicht - es sei denn man geht ganz trendy auf
Adventuretrip. Bettlaken, weiß wie Schnee (fast, nach 4 Tagen Werkstatt)
- kommt wir reisen zum Nordpol, echt cool. Der Nordpol?? Wie sieht es da
aus? Sturmumpeitschter Schneehaufen und oben guckt so ne kleine Spitze
raus wie beim Globus? Keine Ahnung - wir probieren aus. Kalt hier, minus
20° C, minus 30° C, die Bewegungen werden langsamer, die
Reisegesellschaft kommt nicht vorwärts, Bewegung erstarrt, auch der
letzte bleibt auf der Strecke kurz vorm Ziel - na dann - .....Fröhliche
Reise!
Fazit: Ein einziges Requisit bietet viele Gestaltungsmöglichkeiten und
stellt dabei hohe Anforderungen an eine Gruppe bezüglich Koordination,
Kontakt, Disziplin und Intension. Jeder konnte etwas mitnehmen an Bildern,
Ideen, Worten, ... - vielleicht sehen wir es ja mal wieder, irgendwo, das
weiße Bettlaken. |