Logo des Landkreises Waldeck-Frankenberg  

top

 

Werkstätten

WERKSTÄTTEN

Gesamtüberblick

Bild & Klang (2003)

 

 

Theaterwoche Korbach 2003: Werkstätten
Bild & Klang

Bewegungstheater
Stefan Koller, Bonn

"Bewegte Geräusche, klingende Bewegungsbilder"
Ausgangspunkt der improvisatorischen theatralen Bewegungsspielereien sind Klänge, Geräusche und Musiken aller Art. Es wird erforscht, was stille und laute Bewegungen sein könnten und welche Geräusche uns zu ausgefallenen Bewegungsszenen inspirieren. Wie klingt ein theatrales Bild und wie geräuschvoll können wir Theater machen?
Die mögliche Dynamik in Klang und Geräusch lässt sich auch auf die Bewegung übertragen und vice versa. Der Spannungsbogen zwischen dynamischen Klängen/Geräuschen und der Dynamik diverser Bewegungstechniken sollen inspirieren, bewegte und spannende Szenen zu gestalten. 

k1-lieg.jpg (20287 Byte)

Auf der Bühne, auf dem Boden verteilt in ganz unterschiedlichen Positionen, liegen ca. 20 reglose menschliche Körper. Ein Raumbild für sich. Immer lauter wird ein über eine Musikanlage eingespieltes Meeresrauschen. Wellen die sich auf einem Strand brechen und auf dem Strand auslaufen. Um den Hals der Akteure hängen an einem Faden bunte Trillerpfeifen, ein weiteres Teil des Bildes, das beim Zuschauer Erwartungen weckt. Wie Strandgut werden die Körper in den Wellen immer stärker hin und her bewegt. Eine Hand, ein Arm, der Rumpf. Die sich in den Wellen bewegenden Körper kommen langsam in den Stand, jeder Körper in einer eigenen Geschwindigkeit. Ein dynamische Bewegungsraumbild. Das Meeresrauschen wird immer leiser bis es nicht mehr zu hören ist. Die menschlichen Körper bekommen Persönlichkeit, und wie Badende an einem Strand trocknen sie sich mit imaginären Tüchern ab, klopfen sich den Sand vom Körper und reiben sich die kalten Gliedmaßen. Der Mensch wurde aus dem Wasser geboren, das Leben beginnt. - Ein dynamisches und bewegtes Raumbild getragen vom Klang selbsterzeugter Geräusche.

Dies war der Anfang unseres kleinen Stückes, das wir für die Präsentation in Korbach erarbeite hatten. Zu hören und sehen waren Klänge, Geräusche und Musik in Zusammenhang mit choreographierter Bewegung und die daraus resultierenden Bilder. Diese im direkten Zusammenhang mit Klängen, Geräuschen und Musik zu erarbeiten und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bewusster zu machen, war die Aufgabe dieses Workshops.
Es war und ist mir dabei wichtig, ein besonderes Augenmerk auf die bewusste Gestaltung von Bewegung zu legen. Es soll ein spezielles Verständnis für Bewegung entwickelt werden. Sowohl über Körpererfahrung, Zusehen und verbale Information sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmern lernen, Bewegung als räumliches und zeitliches Geschehen wahrzunehmen, das durch die Dynamik erst zum Leben erweckt wird. Das trifft grundsätzlich, sowohl auf die Bewegung einer Spielerin oder eines Spielers, als auch auf die Bewegung einer Gruppe zu, bzw. auch auf die Bewegung eines ganzen Stücks. In diesem Workshop wurde natürlich auch der Klang, das Geräusch und Musik in dieses räumlich und zeitliche Geschehen mit einbezogen, bzw. speziell thematisiert. Dabei gibt es grundsätzlich zwei verschiedenen Möglichkeiten. Zum einen kann die Bewegung das Geräusch lenken (vgl. oben, wenn die "Körper" sich geräuschvoll klopfen und reiben), zum andern kann das Geräusch die Bewegung steuern (vgl. Meeresrauschen aus der Konserve und die dadurch ausgelöste Bewegung).

k2-floete.jpg (21646 Byte)

Mit diversen Geräuschen begleiteten wir z.B. die beim Training der Ganz- und Teilkörperspannung erarbeiteten maschinellen Bewegungen. Jeder begleitet seine Bewegungen mit diversen Geräuschen seiner Stimme. Spielen mehrere Akteure miteinander, entsteht eine Maschine mit einer erstaunlichen Vielfalt unterschiedlicher Geräusche (klappern, stampfen, klingeln, scheppern, fauchen, ...usw.). Am Beispiel der Maschine, lässt sich aber auch gut über die Wirkung eines Bildes sprechen. Warum wirkt ein Bild bzw. Bewegung interessant und warum nicht? Das räumliche Verhältnis der einzelnen Akteure und der jeweiligen Gliedmaßen unter dem Aspekt der dynamischen Bildgestaltung steht dabei im Zentrum der Diskussion. Raumebenen und Raumrichtungen, zeitliche Unterschiede, verschiedene Intensitäten und Spannungszustände der Bewegung des Einzelnen oder der ganzen Gruppe sind zentrale Bewertungskriterien.

Um in unseren Übungen und Szenen weitere Geräusche und Klänge zu erzeugen, brachte ich Plastikbecher und die oben erwähnten Trillerpfeifen mit. Nach einem kurzen "Austoben" mit den Pfeifen, war uns allen klar, dass wir diese auf keinen Fall bestimmungsgemäß einsetzen wollten. Es ist zu schmerzhaft für die Ohren, wenn gut 20 Leute lospfeifen. Die Brechung, diese Pfeifen nicht als schrilles Instrument zu benutzen, interessierte uns viel mehr. Mit den Plastikbechern ließ sich prima die Stimme mit ihren Geräusch- und Klangmöglichkeiten verfremden. Man konnte die Pfeife auch in die Becher geben und bei entsprechendem rhythmischen und auch unrhythmischen "Geschüttel" das neue Instrument perkussiv einsetzen. Wir benutzten kurzzeitig auch durchsichtige Plastikbecher, um mit der Optik der roten, gelben und blauen Trillerpfeifen im klaren Becher zu spielen. Es sah zwar gut aus, aber die Bruchgefahr und das daraus resultierende Verletzungsrisiko brachte uns schnell wieder zu den "normalen" weißen Plastikbechern. So erarbeiteten wir u.a. eine Westernszene reitender Cowboys. Die an einem Faden befestigte Pfeife hing dabei einfach in den vor die Brust gehaltenen Becher. Bei ent-sprechender reitender Körperbewegung klang es so, als ob die Westernhelden ritten. Diese Szene bauten wir in die Präsentation ein.
Natürlich setzten wir während der Woche und auch in der Präsentation Musik ein, da sie szenische Stimmungen und Bewegungen unterstützt bzw. durch den Rhythmus die Bewegung auf den Punkt festlegt. Interessant war auch die Umwandlung von gemeinsam erzeugter und körperlich umgesetzter Rhythmen in Worte. So wurde aus einem "bumm-schicke-diii bumm-schicke-daaa (zwei 4/4 Takte) ein fröhliches "dumme-Zicke-hier und dumme-Zicke-daa" im gleichen Rhythmus und Takt. Die daraus entwickelte Szene wurde in die Präsentation eingebaut.

Neben der oben erwähnten Ganz- und Teilkörperspannung (z.B. Puppen, Roboter, Maschinenteile, abstrakte Gebilde, aber auch z.B. plötzlich auftretende "unnatürliche" Bewegungen bei ganz "normalen" Menschen) behandelten wir weitere Körpertechniken (vgl. unten), die nicht nur im Bewegungstheater wichtig sind.
Bewegungsansatz: Jede Bewegung fängt "irgendwo" an und hat entsprechenden Einfluss auf die folgende Bewegung. Setzt man dieses bewusst ein, können damit spezielle Effekte bzw. Aussagen erzielt werden.
Zeitlupe: Sie ist als darstellerische Bewegungstechnik bekannt, darf aber rein technisch nicht unterschätzt werden; bedarf der Übung!
Partneranpassung: Aufeinander abgestimmte, evtl. auch zeitgleiche Bewegungsfolgen. Auch verstanden als Wahrnehmung der Mitspielerinnen und Mitspieler auf der Bühne während des Spiels.
Typisierung: Jeder Typ den man spielen möchte, zeichnet sich durch ganz spezielle Bewegungsbesonderheiten aus. Diese werden im Bewegungstheater durch übertriebene bzw. untertriebene Bewegungen/Gestik zum Ausdruck gebracht.

Liebe Grüße an alle Workshopteilnehmerinnen und Teilnehmer und natürlich auch an alle Freunde der Theaterwoche in Korbach!
Stefan Koller

k4-grupre.jpg (25018 Byte) k3-becher.jpg (24017 Byte) k4-grupli.jpg (23813 Byte)

Eindrücke aus der Werkstattpräsentation

nach oben  

Bei Rückfragen und Anmerkungen zu dieser Webseite
wenden Sie sich an Michael Schwarzwald
Stand: Februar 2004

Startseite Überblick Aktuelles Aufführungen Werkstätten Inhalt & Suchen