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Werkstätten

WERKSTÄTTEN

Gesamtüberblick

Das Reich der Liebe - szenische Darstellung von Gefühlen (2004)

 

 

 

Werkstätten: Theaterwoche Korbach 2004

Theaterprojekt "Meinland - Deinland"
Anja Herbener, Quedlinburg
Werkstattarbeit mit praktisch-bildbaren Kindern der Paul-Zimmermann-Schule, Korbach

"Grenzübergang Meinland - Deinland"
Zweck der Reise:
Besichtigung der Ausgrabungsstätten im Reich der Liebe
Besonderer Schwerpunkt:
Besuch des Freilandmuseums für Abbau von Berührungsängsten
Mitgeführte Druckerzeugnisse: Innere Landkarten in allen Maßstäben

In der diesjährigen Werkstatt, die für ALLE an der Theaterwoche teilnehmenden Jugendlichen im Abenteuer- und Entdeckeralter sind, offen ist, wird vor allem tänzerisch gearbeitet, wobei Teilnehmer mit körperlichen Behinderungen ganz besonders willkommen sind.

Ausgehend von der ungestörten Erfahrung eigener Gefühle werden in der Werkstatt Bewegungen und Begegnungen im Raum, auf dem Boden, mit Stoffen und anderen Materialien ausprobiert, die in einer choreographischen Geographie (siehe Titel) münden.

Werkstattdokumentation
Bei der Vorbereitung auf die Theaterwoche Korbach 2004 entschied ich mich, dieses Jahr die bestehende Frauengruppe der Paul - Zimmermann - Schule
als teilnehmende Gruppe auszuwählen.
Die Mädchen kennen sich untereinander und haben tänzerische Vorerfahrung. Dadurch würde die Zusammenarbeit gleich von Beginn ab intensiver verlaufen.

Im Theaterprojekt "Meinland - Deinland" setzten sich dann acht Mädchen
der Paul-Zimmermann-Schule intensiv mit ihren Wünschen und Sehnsüchten zum "Reich der Liebe" auseinander. Es handelte sich um Mädchen und junge Frauen im Alter von 11 bis 19 Jahren, die in unterschiedlicher Art behindert sind.
Die Gruppe trifft sich in dieser Konstellation seit einem Jahr wöchentlich mit einer Lehrkraft der Paul - Zimmermann - Schule.
Bereits bei den ersten Arbeitseinheiten zeigte sich, auf welch großes Interesse das Thema bei den Teilnehmerinnen stieß, denn in Arbeit und Umgang mit Menschen mit Behinderungen werden Liebe, Sexualität und Körperlichkeit häufig tabuisiert.
Ausgehend von der ungestörten Erfahrung eigener Gefühle wurden in der Werkstatt Bewegungen und Begegnungen im Raum, auf dem Boden, mit und ohne Musik, mit Stoffen und anderen Materialien ausprobiert, die in einer choreographischen Geographie (siehe Titel) mündeten.
Auch wenn am Beginn der Arbeit der Besuch im Nachbarland sehr spielerisch und fast kleinkindhaft geriet, wurde sofort deutlich, dass hier ein echtes Bedürfnis nach der Erkundung der Begriffe "Hier wohne ich, hier wohnst du, wollen wir zusammen etwas unternehmen, ich lade euch zum Essen ein" bestand, und als eins der Mädchen im Spiel seine Mutter anrief, die sagte, sie habe ihr und ihrer Schwester als Überraschung zum Geburtstag zwei Jungs mitgebracht, waren die Dämme gebrochen und das (Schau)Spiel der Liebe nahm seinen Lauf.
Neben dem Umgang mit Grenzen ("bis hier und nicht weiter", da gab es auch in der Gruppe echte Konflikte) bildete ein Märchen einen weiteren Ausgangspunkt der Werkstattarbeit.
Zur theatralischen Umsetzung wollten sich die Jugendlichen mit selbst ausgesuchten Kostümen schön machen, und gleichzeitig gestalteten sie sich mit einfachsten Requisiten ihre eigenen Regionen, ihre Länder, ihre Gemächer.
In dieser spielerischen Auseinandersetzung entstanden von Schmuck überquellende "kleine Schatzkammern", die im übertragenen Sinne deutlich machten, wie wichtig für diese Mädchengruppe die Erforschung ihrer inneren Landkarte war. Mit ihren Schatzkammern zeigten sie nämlich auch ihre Sehnsüchte nach einem Partner, auf den sie, das wurde allen Beteiligten klar, alle warten.
Im Mittelpunkt der diesjährigen Werkstatt standen die Körperarbeit und die tänzerischen Ausdrucksmöglichkeiten. Liebe und Sehnsucht zu tanzen anstatt darüber sprechen zu müssen:
eine Hilfe für die Teilnehmerinnen, die sprachlich nicht so gewandt waren, aber auch für diejenigen, die in ihrem Leben schon schmerzhafte Erfahrungen machen mussten und darüber einfach nicht sprechen KÖNNEN.
Die sehr intuitiv entstehende Choreographie rankte sich um drei Unsichtbare, die nur in Form von drei (sorgfältig ausgesuchten!) Männerhüten auf der Bühne zu erahnen waren...
EINE entscheidende Frage während der Proben war, ob die Mädchen es wagen würden, bei der Präsentation ins Publikum zu gehen, um sich den Mann ihrer Träume auszusuchen und ihn auf die Bühne zu bitten!
(Mehr denn je hatte ich Angst, ob am Samstag ÜBERHAUPT auch nur
EIN Mädchen auf der Bühne sein würde!!!)
Bei all den elementaren Themen, die sich den Teilnehmenden stellten, bot die konkrete Körperarbeit, die gezielte Arbeit an der Choreographie die Möglichkeit, alle angestaute Energie und Spannung in harte körperliche Arbeit und rhythmische Bewegung, eben in Tanz, umzusetzen.
Diese Herausforderung wurde von fast allen Teilnehmenden angenommen und diszipliniert und voller Hingabe auf die Bühne gebracht.
Neben üblichen Techniken wie Imitation meiner Bewegungen legte ich auch Wert darauf, die Jugendlichen zu ermuntern, eigene Bewegungen zu finden, weiterzuentwickeln, anderen vor und auch nach zu machen.
Die Konzentrationsfähigkeit aller Beteiligten wuchs während der gemeinsamen Arbeit enorm, manche der Mädchen konnten bei einigen Tänzen sogar ohne mich die Leitung übernehmen, wollten und taten das auch!

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Arbeit bei der diesjährigen Werkstatt natürlich auch deshalb besonders befriedigend war, weil so viele Grundvoraussetzungen Erfolg versprechend waren. Wenn ich versuche, symbolisch zu sehen, was uns gemeinsam dieses Jahr geglückt ist, denke ich, dass wir alle auf unsere Art Grenzen übersprungen haben, die wir auch sonst unter anderen Bedingungen bei dieser Arbeit überspringen könnten: 2005 werde ich es wieder, und wieder unter anderen Voraussetzungen, probieren und freue mich jetzt schon darauf!

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Bei Rückfragen und Anmerkungen zu dieser Webseite
wenden Sie sich an Michael Schwarzwald
Stand: September 2004

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