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WERKSTÄTTEN
Gesamtüberblick
Spiegel-Bilder (2005)
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Werkstätten: Theaterwoche Korbach 2005
Spiegel - Bilder
Suse Morawietz, Münster
Im Erkennen unserer selbst sind wir - was das Äußere angeht - immer
auf Hilfe bzw. auf Hilfsmittel angewiesen:
- auf andere Menschen, in deren Reaktionen wir uns
"spiegeln";
- auf alle Arten von Spiegeln, die aber meistens nur einen Teil
unseres Äußeren wiedergeben und auch nicht immer absolute
"Richtigkeit" gewährleisten;
- auf Fotos, Bilder, Filme, Videos, die aber wieder die Sicht anderer
auf uns zeigen, oder - wenn wir uns selbst mit diesen Medien
darstellen - Inszenierungen sind.
Deswegen wird die menschliche Suche nach der eigenen Identität, mit
dem "Sich vergewissern" schon immer mit dem Begriff des Spiegels
als Hilfsmittel verbunden.
In der Kunst ist es eine weit verbreitete Auffassung, dass das geschaffene
Bild ein Selbstbild sei, sowohl für den Künstler wie für den
Betrachter, da es als Metapher für den Spiegel gilt. Dieser allerdings
besitzt die Eigenschaften, die unterschiedlichen Aspekte der
Selbstwahrnehmung und damit verbunden auch Selbsterfahrung und
Selbstbegegnung zu ermöglichen.
So ist die Auseinandersetzung mit Spiegelbildern immer gekennzeichnet vom
Suchen und Fragen und von der Hoffnung und gleichzeitig auch Angst,
Antworten und "Wahrheiten" zu finden.
In meiner Arbeit versuche ich bildnerisch-künstlerische und theatrale
Elemente so zu verknüpfen, dass einerseits ein grobes Handlungsgerüst
entsteht, andererseits aber Raum gelassen wird für offene Prozesse, wie
es für performatives Arbeiten notwendig ist.
Die beiden vorgegebenen Textstellen vermitteln auf sehr
unterschiedliche Weise die Fremdheit gegenüber dem eigenen Ich. Ist es
bei Gesine Danckwart die Trauer oder Sehnsucht nach etwas, das einmal real
war und nicht mehr zurückgeholt werden kann, so ist es bei Margret Steenfatt
der verzweifelte Versuch, sich überhaupt eine Identität zu schaffen. Mit
der Zerschlagung des Spiegels, mit dem "Farbigwerden" des
eigenen Gesichts durch das eigene Blut hat sich der Protagonist
möglicherweise eine Tür geöffnet. Natürlich wären auch andere
Interpretationsmöglichkeiten zu dem Klischeebild des zertrümmerten
Spiegels denkbar.
In meiner Werkstattarbeit möchte ich ganz wörtlich von den Begriffen
"Spiegel" und "Bild" ausgehen. Im spielerischen Umgang
mit der Zeichnung (Tastzeichnungen, Blindzeichnungen) entstehen
"Selbstporträts", die in ihrer Ausdruckskraft Anlass zum
Entwickeln von Spielfiguren sein sollen. Mit diesen sollen die Schöpfer
dieser Figuren in Dialog treten. Anhand von theatralen Spiegelübungen
wird sich zwischen den beiden eine Beziehung entwickeln, die in ihrem
Ausgang nicht festlegbar ist. Hierbei wird schon deutlich, dass das
Einsetzen bildnerischer Methoden nicht abgetrennt sein soll vom
eigentlichen Handlungskonzept, sondern Teil eines darstellenden Prozesses
ist.
Auch im weiteren Verlauf sollen immer wieder durch schnelles,
gestisches Zeichnen auf großen Papieren oder Folien
"Spiegelbilder" entstehen, die dann durch Aus- oder Zerschneiden
/ Zerreißen oder durch Weitergestalten Handlungsabläufe zu den Themen
der Selbst- und Fremdwahrnehmung wie auch der Erkenntnis der
Vergänglichkeit initiieren.
Aus den unterschiedlichen Übungen und Erprobungen soll dann eine
kleine Szenenabfolge für die Präsentation zusammengefügt werden, die in
sich schlüssig das performative Arbeiten sichtbar macht.
Ankündigungstext
"Ich kenn' dich nicht, ich wasch' dich aber trotzdem!"
Wer kennt ihn nicht, diesen Witz-Ausspruch, wenn man morgens
unausgeschlafen, von schlechten Träumen geplagt oder anders gerädert den
ersten Blick in den Spiegel wagt? Die kritische Auseinandersetzung mit
unserem Äußeren ist für die meisten von uns Alltäglichkeit. Vom
Aufstehen bis zum Schlafengehen haben wir bewusst oder unbewusst viele
Male unser Spiegelbild gesehen. Aber was wollen wir eigentlich sehen?
Bestätigung unserer Schönheit, wissen, wer wir wirklich sind, uns mit
den Augen der anderen sehen?
In dieser Werkstatt sollen mit spielerischen und tänzerischen
Zeichenübungen "Selbstporträts" - Spiegel geschaffen werden,
die dann zu eigenen Spielfiguren werden. Ihr tretet also in Beziehung zu
eurem selbst geschaffenen "Spiegelbild". Das alles wird anhand
unterschiedlicher Bewegungsübungen und Improvisationen ausprobiert und
schließlich zu einer Szenenabfolge zusammengesetzt. Als literarische
Anregungen können wir noch mit den vorgegebenen Texten arbeiten, in denen
sehr eindrucksvoll die Auseinandersetzung mit dem eigenen "Ich"
geführt wird.
Wichtig dabei ist, dass ihr keine Angst vor Zeichnen und Malen haben
müsst. Ihr braucht keine Vorkenntnisse. Das Ganze entwickelt sich aus
Spielen und Bewegen und nicht aus einer pingeligen Zeichenschule.
Bitte mitbringen: alte, bequeme Kleidung, die auch Farbspritzer
abkriegen darf.
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