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WERKSTÄTTEN
Gesamtberblick
Vom eingebildeten Kranken zum Beipackzettel - von der
dramatischen Vorlagen zum Alltagstext
(2008)
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Werkstätten: Theaterwoche Korbach 2008
Thema: Vom eingebildeten Kranken
zum Beipackzettel –
von der dramatischen Vorlage
zum Alltagstext
Theaterarbeit
greift häufig traditionelle Texte oder Stücke auf und sucht Wege,
um sie in die Lebenswirklichkeit der Gegenwart zu übertragen. Hierbei
findet oft eine Bearbeitung der Bühnensprache statt, die auch
verschiedene Textsorten der Alltagswelt aufgreifen kann. Bereits die Rolle
des eingebildeten Kranken bietet als traditionelle Genrefigur der Komödie
verschiedenste Ansätze zur Umsetzung auf der Bühne, Ansätze, die wir in
der Vergangenheit mehrfach aufgegriffen haben. In diesem Werkstattthema
wünschen wir uns über diese Auseinandersetzung hinaus den bewussten
dramatischen Umgang mit der Alltagstextsorte „Beipackzettel“, dabei
ist die Wahl der beschriebenen Medikamente – von der Pille bis zur Bahre
– freigestellt.
Wir wünschen uns in den
Werkstätten auf der Grundlage eines Szenenausschnitts aus Molières „Der
eingebildete Kranke“ eine Herangehensweise, die die Figur des
eingebildeten Kranken in einer Szene aufgreift und in ihrer Gestaltung in
Korrelation zu einem selbst ausgewählten Beipackzettel setzt.
Die weitere Ausgestaltung
der Szene kann unter Verwendung von clownesken-grotesken Elementen,
verzerrt-realen Elementen, pantomimischen Elementen, Elementen des Tanz-
und Bewegungstheaters, Elementen der Performance, zirzensischen Elementen
und vielen weiteren erfolgen.
Szene: Erster Aufzug, Erster Auftritt, Argan
(Reclam S. 5f)
ARGAN (sitzt allein in seinem Zimmer an einem Tisch, rechnet mit
Spielmarken die Aufstellungen seines Apothekers nach und hält folgendes
Zwiegespräch). Drei und zwei macht fünf, und fünf macht zehn, und zehn
macht zwanzig. Drei und zwei macht fünf. „Ferner, am 24., ein
gleitfreudiges, vorbereitendes, beruhigendes Klistierchen zwecks
Erweichung, Befeuchtung und Erfrischung der Eingeweide des gnädigen
Herrn.“ Was mir an meinem Apotheker, Herrn Fleurant, gefällt, ist der
höfliche Ton seiner Rechnungen. „Für die Eingeweide des gnädigen
Herrn 30 Sous.“ Ja, aber Herr Fleurant, Höflichkeit ist nicht alles,
man muß auch vernünftig bleiben und darf den Kranken nicht das Fell
über die Ohren ziehen. 30 Sous für eine Spülung! Ergebenster Diener,
noch einmal! Aber Ihr habt in den anderen Rechnungen nur 20 Sous dafür
angesetzt, und 20 Sous, das heißt bei euch Apothekern 10 Sous; da habt
Ihr sie, 10 Sous! „Ferner, am gleichen Tage, ein gutes, reinigendes
Klistier, nach ärztlicher Verordnung zusammengestellt aus einer doppelten
Dosis Latwerge von Sennesstrauch und Rhabarber, Rosenhonig und anderen
Ingredienzien, um den Unterleib des gnädigen Herrn auszufegen, zu spülen
und zu säubern, 30 Sous.“ Mit Eurer Erlaubnis, 10 Sous. „Ferner, am
Abend des gleichen Tages, einen beruhigenden, sedierenden Trank für die
Leber, um dem gnädigen Herrn Schlaf zu schenken, 35 Sous.“ Dagegen will
ich nichts sagen, denn ich konnte gut darauf schlafen. 10, 15, 16 und 17
Sous, 6 Derniers. „Ferner, am 25., eine gute reinigende und kräftigende
Arznei, nach der Verordnung des Herrn Purgon zusammengestellt aus frischer
Kassie, levantinischen Sennesblättern und anderen Ingredienzien, um die
Galle des gnädigen Herrn in Fluß zu bringen und abzuführen, 4 Livres.“
Oh, Herr Fleurant, Ihr scherzt wohl! Man muß leben und leben lassen!
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